Im Portrait: Der MSC Arnstorf e.V. – Freude am Kartsport

Auf dem Betriebsgelände der Firma Stegmüller in Arnstorf tut sich was an diesem Samstag im Spätherbst: Die Jugend des MSC Arnstorf verteilt eifrig Pylonen, um einen Parcours festzulegen. Die beiden Slalom-Karts stehen bereit, die Erwachsenen überprüfen nochmal, ob alles passt. Dann geht’s los: Luca Schwarz und Elias Weindl setzen die Helme auf, die Motoren werden gestartet und einer nach dem anderen saust mit 6,5 PS zwischen den Pylonen hindurch…

Manuel Bellmann beobachtet das Ganze von den Parkplätzen aus – genauso wie die weiteren Betreuer und Eltern der Kinder. Manche haben sich Kaffee in Thermoskannen mitgenommen, andere Campingklappstühle. Manuel ist zweiter Vorstand des MSC, ist selbst von acht bis 18 Jahren Kart gefahren, hat danach den Trainerschein gemacht. Zum heutigen Geschehen sagt er: „Ein Parcours schaut nie gleich aus. Trainiert wird bei uns je nach Witterung ab Ende März bis mindestens Mitte Oktober.“ Dieses Datum ist heuer längst überschritten, die Sonne scheint  und es ist mild.

Seit 1971 gibt es den MSC Arnstorf, wie Manuel erzählt. Gras- und Sandbahnrennen wurden bis Mitte der 90er Jahre gefahren,  außerdem war der Verein noch mit Autoslalom, Skijöring und Bergrennen aktiv. Mittlerweile konzentriert sich alles auf Jugendkartslalom, womit Anfang der 90er Jahre begonnen wurde. Zwei Karts besitzt der Verein, das Startgeld von 8,50 Euro ist für die Eltern erschwinglich. Spaß soll das Ganze machen, Profisport ist nicht das primäre Ziel. Die Erwachsenen haben auch gut zu tun: Die Karts warten und reparieren, Streckenposten stellen, auch bei Rennen anderer Motorsportveranstaltungen. Hin und wieder unternimmt man einen gemeinsamen Ausflug, ansonsten betreut man die Trainings und Wertungsläufe der Kinder. Aktuell sind 150 Mitglieder im Verein, auch durch Corona bedingt werden es eher weniger.

 

Absolut vorhanden: Das grüne Gewissen

Manuel bedauert das freilich und erinnert sich an seine aktive Zeit: „Damals haben meine Eltern mitgekriegt, dass es den MSC gibt und wir haben gemeinsam ein Turnier angeschaut. Mein Papa, mein Bruder und ich waren gleich Feuer und Flamme und so bin ich gefahren und sogar einmal niederbayerischer Meister geworden. Bei der Bayerischen Meisterschaft hab ich immerhin den 5. Platz belegt.“ Später ist Manuel beim KC Eggenfelden gelandet, ist dort Autoslalom gefahren, hat sämtliche Meisterschaften mitgemacht.

Inzwischen plagt ihn sein „grünes Gewissen“, wie er zugibt: „Beim Autoslalom wird schon viel rausgeblasen – vor allem bei der An- und Abreise der Veranstaltungen.“ Jugendkartslalom findet er vertretbar, fünf Liter Sprit gehen für ein Training wie heute mit den zwei Karts drauf, bei Turnieren etwa 15 Liter. Und er fügt hinzu: „Die CO2-Bilanz wird von unserem Hauptsponsor Mayer-Korduletsch mit CO2-Zertifikaten ausgeglichen. Auch der ADAC nimmt Nachhaltigkeit und Klimaschutz wichtig.“ Manuel findet beide Aspekte wichtig: Es muss dringend was für die Umwelt getan werden – aber auch Kindern muss was geboten werden.

Darum engagiert er sich gern im Ehrenamt, ist zwar mittlerweile selbst kein Trainer mehr, auch wenn er nach wie vor oft dabei ist und sich für seinen Verein einsetzt. Gemeinsam mit dem ersten Vorstand Josef Sicheneder kümmert er sich um alle Belange des MSC – „auch um ziemlich viel Papierkram“, wie er sagt. Beim Mittelalterfest wirkt der Verein mittlerweile nicht mehr mit – Personalmangel. So wünscht sich der Verein für die Zukunft interessierten Nachwuchs. Für die Zukunft investiert der MSC in jedem Fall: Bestellt sind zwei neue Karts, wie Manuel verrät…

 

Im Portrait: Der LAC Arnstorf e.V. – ein Leben für den Sport

Die Kinder strömen geradewegs auf die große Turnhalle zu – wie jeden Montagabend werden sich auch heute rund 80 junge Leute verausgaben in der Sparte Leichtathletik des LAC Arnstorf e.V. Vor dem Eingang stehen Willibald und Elfriede Bauer, beide Gründungsmitglieder des Vereins, und begrüßen die Kinder und manche Eltern. Sie haben immer ein offenes Ohr, auch wenn es um kaputte Sporthosen geht, die beim Bremsen auf dem Hallenboden „geschmolzen“ sind, wie es heute eine Mama zeigt. Neben den Kindern strömen auch die Trainer herbei – für 80 Kinder müssen das schon ein paar sein.

Bevor wir uns auf die Tribüne begeben und dem Treiben zusehen, treffen wir uns im Spiegelraum, wo sich Matten und Stepper türmen. Willibald und Elfriede Bauer, Franziska Bauer und Benjamin Kapfinger sind da, Josef Schied ist noch auf der Arbeit und Ingrid Petersen ist in der Halle gefragt – sie alle bilden die Vorstandschaft. Willibald und Elfriede sind seit der Gründung im Jahr 1978 dabei, nach wie vor aktiv, „auch mit 70 Jahren kann man noch fit sein,“ sagt Willibald und grinst. Seine Elfriede hat er über den Verein kennen- und lieben gelernt – die gemeinsame Sportleidenschaft hat das Paar vereint. „Damals hat man uns noch belächelt, wenn wir Joggen waren. ‚Habt’s nichts zu tun?‘ wurden wir gefragt, weil es noch nicht üblich war, einfach Laufen zu gehen,“ erinnert sich Elfriede und lacht.

Anfangs zählte der Verein 27 Gründungsmitglieder. Zuvor waren die meisten in der Leichtathletikabteilung des TSV Arnstorf aktiv, bis sich diese zum LAC formierte. „Wir haben uns selbstständig gemacht,“ erklärt Willibald und fügt hinzu: „Damals war Josef Haberl der erste Vorstand, er war zu dieser Zeit zweiter Bürgermeister und hat uns gut unterstützt.“ Heute bekleidet er selbst das Amt des ersten Vorstands, der Verein zählt rund 650 Mitglieder und davon sind gut 300 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Eine enorme Entwicklung in 44 Jahren. Und eine enorme Leistung von Willibald und Elfriede, so lange aktiv zu sein.

 

Breit aufgestellt: Die Abteilung Breitensport

Elfriede erzählt: „Bei der Gründung war ich 16 Jahre, ich bin einfach mitgerissen worden. Ich wurde vom Elternhaus angehalten, mich ins Ehrenamt einzubringen. Seitdem bin ich für die Abteilung Breitensport zuständig. Es macht Spaß, ist aber immer viel zu tun. Als unsere Kinder noch klein waren, war es manchmal schon ganz schön stressig. Jetzt macht mir am meisten Freude, andere zu motivieren und für die Gesundheit was zu tun.“ Die Abteilung Breitensport ist – getreu dem Namen – breit aufgestellt: Da gibt es die Sparte Kinder. Bei den Tanzmäusen und im Kinderturnen sind Kleinkinder bis zu sechs Jahren aktiv. Größere Kinder wechseln zur Abteilung Leichtathletik. Die Diamond-Girls sind zwischen neun und 15 Jahre alt und bilden die Nachwuchsriege der Faschingsfreunde. Die Mädels begeistern mit Auftritten im Fasching ihr Publikum.

Dann ist da die Sparte Gymnastik – Bauch-Beine-Po werden in der Halle trainiert, im Sommer findet das Outdoor-Training unter freiem Himmel statt, in der Halle wird Step- und Tanz-Aerobic angeboten. Die Sparte Freiluft vereint den Lauftreff, der sich bereits seit 1977 gemeinsam aufmacht sowie die Gruppen Nordic Walking und Walking, bei denen jeder Interessierte mitmachen kann, egal ob Vereinsmitglied oder nicht.

Willibald hört seiner Frau aufmerksam zu, bevor er von seiner Laufbahn erzählt: „Zu Gründungszeiten war ich aktiver Leichtathlet. Damals hab ich am liebsten allein trainiert und bin sämtliche Strecken gelaufen, vom 800-Meter-Lauf bis zum Marathon. 1986 dachte ich mir, man könnte ja auch in der Halle was machen, damit im Winter mehr los ist. So entstand die Abteilung Tischtennis, die heute der Schied Josef führt. Wir sind 35 aktive Spieler, haben eine Damen-, vier Herren- und eine Jugendmannschaft. Das Schöne am Tischtennis ist, dass man es locker noch mit 70 spielen kann. Ich bin ein starker Verfechter einer guten Trainerausbildung. Darum übernimmt der Verein alle Kosten – vom Trainerschein bis zu den Fortbildungen.“

Franziska Bauer leitet die Abteilung Leichtathletik. Sie ist beim LAC, seitdem sie vier Jahre alt ist, hat mit Kinderturnen begonnen und ist jetzt selbst Trainerin. „Da bin ich einfach reingerutscht und es macht mir viel Spaß,“ sagt sie. „Ich bin gern auf dem Sportplatz und verbringe meine Zeit mit jungen Leuten.“ Das ist auch gut so, denn ihr Engagement erfordert einiges an Zeit. Montags von 18 bis 19 Uhr sind die Kinder ab sechs Jahren aktiv. Sie werden in drei Altersgruppen eingeteilt, die Trainings bauen aufeinander auf. Wer in einer Leistungsgruppe sein will, trainiert zusätzlich ein- bis zweimal die Woche. Ab zwölf Jahren geht’s zu Meisterschaften. „Leichtathletik ist ein guter Einstiegssport – darauf kann jede andere Sportart aufbauen,“ ist sich Willibald sicher.

 

Allseits beliebt: Der Nikolauswaldlauf

„Wir trainieren Kraft, Hoch- und Weitsprung, Sprint und Staffellauf,“ zählt Franziska auf. „Das Ziel ist es, sich zu verbessern, Meisterschaften zu machen und vielleicht in den Bezirkskader aufgenommen zu werden.“ Willibald ergänzt: „Das Ziel ist es auch, die Jungen so lang wie möglich dabeizuhaben. Die Pubertät ist immer ein schwieriger Knackpunkt. Und wenn sie dabeibleiben, wäre es natürlich auch schön, wenn sie den Trainerschein machen.“ Er lacht, aber es ist ihm durchaus ernst, weil er weiß: So viel freiwilliges Engagement kann er nur vorleben, es ist aber keine Selbstverständlichkeit.

Dessen ist sich auch Benjamin Kapfinger bewusst. Er kümmert sich ums Administrative, organisiert Veranstaltungen und Läufe, wie den allseits beliebten Nikolauswaldlauf, den es schon länger als den Verein gibt, nämlich seit imposanten 45 Jahren. 2022 ist der 43. Lauf, zweimal musste er wegen Corona ausfallen. Immer in der ersten Dezemberwoche treffen sich im Schnitt 250 Läuferinnen und Läufer zwischen drei und 99 Jahren, wie Benjamin mit einem Augenzwinkern erzählt. Bis zu drei Läuferinnen und Läufer sind in einem Team, zu gewinnen sind diverse Spaßpreise. Manche laufen mit Nikolausmützen, einen komplett verkleideten Nikolo gab es auch schon und sogar einen Tarzan, der nur mit Badehose bekleidet am Lauf teilnahm.

Benjamin selbst betreibt wohl als einziger auf weiter Flur keinen Sport, in der Jugend hat er damit aufgehört. Dennoch ist er dem LAC treu geblieben, ganz wie sein Vater, der volle 17 Jahre lang Vorstand war. Untätig ist Benjamin aber keineswegs, da wäre die Organisation des oben genannten Nikolauswaldlaufs, sämtliche Auswertungen und auch das Mittelalterfest „Auf Heller und Barde“, bei dem der LAC mit zwei Gruppen zugegen ist: Einmal stellen sie das Bild mit dem Richter Pexenfelder samt Gerichtsverhandlung dar, einmal sind sie für den Brauereiwagen verantwortlich, der geschmückt wird, bevor er beim großen Umzug dabei sein kann.

 

Außer den regelmäßigen Trainings, den Wettkämpfen und Turnieren ist das Vereinsjahr des LAC mit freudigen Traditionen ausgefüllt: Da wäre der jährliche Wandertag am 3. Oktober, bei dem sich vor allem viele Familien beteiligen. Dann gibt es die beliebte Jahresabschlussfeier und natürlich die obligatorische Jahreshauptversammlung. Und dann wird einmal im Jahr ins Trainingslager nach Caorle gefahren. Dort ist neben dem umfangreichen Training das gesellige Beisammensein beliebt und besonders angetan ist man dort von der guten Sportanlage – die die Arnstorfer Real- und Mittelschule aber nun auch bekommen soll. „Gern unterstützen wir die Gemeinde bei der Planung,“ sagt Willibald.

 

Nun wird es Zeit, sich auf die Tribüne zu begeben und zu staunen: Die riesige Sporthalle ist dreigeteilt. Ganz links spielen gut dreißig Kinder „Versteinern“, in den beiden anderen Bereichen ist ein Parcours aufgebaut – Kinder rollen unter Bänken durch, springen mit dem Trampolin auf den Kasten, sausen umher… Das Treiben ist enorm und die Freude daran offensichtlich. „Aktuell haben wir neun Übungsleiter, zwei davon mit P-Schein. Dazu haben wir 16 Assistenztrainer. Das klingt viel und ist auch gut – aber Trainernachwuchs ist immer erwünscht,“ sagt Willibald, bevor er sich mit seinen Vorstandskolleginnen und Kollegen zum Foto aufstellt.

 

Im Rahmen des Projekts „Ein Vereinsnetzwerk in und um Arnstorf“ des Förderprogramms “Engagiertes Land” der DSEE (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt).

Im Portrait: Der BUND Naturschutz in Bayern e.V., Ortsgruppe Kollbachtal – „Bloß nicht aufgeben“

Die Reifen knirschen auf der Schotterstraße, die zum Niedermoor bei Jägerndorf führt. Die Fahrzeuge werden abgestellt, heraus steigen Katrin Veicht und Herbert Weiss mit Hündin Lilly, die sogleich schnuppernd die Umgebung erkundet. Die beiden Vorstände der Ortsgruppe Kollbachtal des BUND Naturschutz in Bayern e.V. haben als Treffpunkt bewusst das Moor im Rottal gewählt: An diesem Beispiel lässt sich zeigen, wie wichtig es ist, die Natur aktiv zu schützen. „Wäre das nicht passiert, hätten wir heute kein Moor mehr,“ sagt Katrin Veicht.

Der Weg führt am Waldrand dahin, auf der einen Seite also Wald, auf der anderen Wiesen und schließlich das Moor, das für den Laien als solches nicht auf dem ersten Blick zu erkennen ist. Bereits im Jahr 1974 hat der BUND Naturschutz die Moorfläche erworben, um diese zu pflegen und erhalten: Jährlich wird gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband gemäht. „Das ist wichtig, da sonst die typischen Niedermoorpflanzen von Erlen verdrängt werden,“ sagt Herbert Weiss. Inzwischen ist freilich alles verblüht, im späten Frühjahr blühen hier zum Beispiel gelbe Schwertlilien, Trollblumen, Knabenkraut und Moor-Greiskraut zu finden, um nur einige seltene Arten zu nennen.

Gespeist wird das Niedermoor von einer eignene Quelle und wie bei sämtlichen Gewässern und Quellen in den letzten Jahren zu beobachten ist, fließt immer weniger Wasser. „Das Moor trocknet aus,“ sagt Katrin Veicht mit Bedauern. Das zeigt die Zusammenhänge in der Natur auf – jede Veränderung hat Auswirkungen auf weitere Systeme. Katrin Veicht und Herbert Weiss sind sich einig: „Bloß nicht aufgeben.“ Denn was ist die Alternative? Klar ist es mühsam, gebetsmühlenartig erklären zu müssen, weshalb diese und jene Schritte notwendig sind, um das Große und Ganze zu erreichen, weshalb es sich lohnt, Naturschutz zu betreiben. Nein, dies sei noch längst keine Selbstverständlichkeit, auch nicht im Jahr 2022, wo Begriffe wie Klimakrise und Erderwärmung und Plastikmüll zum Alltag gehören und die junge Generation mit Fridays for Future auf die Missstände aufmerksam macht.

 

„Du kannst nur schützen, was Du kennst“

Warum immer noch so viel Rede- und in der Folge natürlich Handlungsbedarf besteht, dafür hat Herbert Weiss vielleicht die Erklärung: „Auf dem Land sind wir von Natur umgeben. Da entsteht der Eindruck, es sei eh alles in Ordnung, die Natur sei eh intakt, nur weil die vorherrschende Farbe draußen grün ist.“ Dazu kommt, dass das Interesse an der Natur, an den Pflanzen und Tieren, nicht sehr groß ist. „Dabei kannst du nur schützen, was du auch kennst,“ ist sich Herbert Weiss sicher. Und darum ist der Nachwuchs immens wichtig, was die Zukunft der Natur und damit auch der Menschen angeht.

Doch zunächst werfen wir einen Blick in die Vergangenheit: Gegründet wurde die Ortsgruppe Arnstorf, wie sie bis zum Jahr 2008 hieß, 1989. Herbert Weiß gehörte schon zur Gründungsvorstandschaft und erinnert sich an die aktive Zeit der 80er Jahre: „Damals sahen viele junge Familien die Dringlichkeit, sich für die Natur zu einzusetzen. Zum ersten Mal überhaupt war die Umwelt in der Öffentlichkeit ein politisches Thema. Die großen Themen waren damals das Waldsterben, der saure Regen und natürlich auch Atomkraft nach Tschernobyl und Wackersdorf. Nach über 30 Jahren haben wir heute mindestens so wichtige Themen, aber die Generation der 30- bis 40-Jährigen ist in der Ortsgruppe Kollbachtal kaum vertreten.“

Die Hoffnung liegt beim Nachwuchs, die Jugendgruppe steht ausgezeichnet da und die Vorstände sind sich sicher, dass zunächst jedes Kind Interesse an der Natur hat. Ab etwa 14 Jahren wechseln dann oft die Interessen, wie die Leitung der Umweltbande, Maria und Hans Watzl, feststellen können. Seit 2013 leiten sie die Jugendgruppe, die im Jahr 2005 gegründet wurde. Jeden Monat treffen sich die Kinder, um gemeinsam aktiv zu sein: Nistkästen bauen, Bäume pflanzen, auf Wanderungen Pflanzen und Tiere bestimmen, die Kollbach untersuchen – es gibt immer was zu tun. Als Höhepunkt des Jahres wird das Zeltlager bezeichnet, das die Jugendorganisation des BUND Naturschutzes in Bayern organisiert und bei dem sich gut 50 Kinder aus ganz Bayern tummeln, ganz nach dem Motto „dreckig, aber glücklich“.  Herbert Weiss ist sich sicher: „Auch, wenn das Interesse mit der Pubertät temporär nachlässt, bleibt der Kontakt zur Natur bestehen, wenn ein guter Grundstock gelegt ist.“

 

„Die vielen Aktionen stimmen positiv“

Heute zählt die Ortsgruppe Kollbachtal gut 200 Mitglieder, davon sind aber höchstens 15 aktiv, berichten die Vorstände. Neben der Jugend engagieren sich vor allem die über 50-Jährigen. Freilich spielt da auch das Thema Zeit eine Rolle. Und natürlich das grundlegende Interesse an der Natur und an den Zusammenhängen, die uns alle betreffen. „Ohne Natur geht es nicht, wir sind ein Teil davon, wir sind abhängig von einer funktionierenden Umwelt,“ sagt Katrin Veicht und Herbert Weiss nickt: „Wir sehen viele Themen sehr kritisch. Zum Beispiel den Bauernverband, der nach wie vor konventionelle Landwirtschaft propagiert. Das ist schon lange nicht mehr sinnvoll und bald auch nicht mehr machbar. Die Lösungen sind da, werden aber nicht umgesetzt.“ Genau dieses Dilemma ist bei vielen Themen die Umwelt betreffend, zu beobachten. Schon viele Jahrzehnte sind seitens der Wissenschaft Kausalitäten bekannt, werden Prognosen abgegeben – aber Politik und  Wirtschaft handeln nicht oder entgegengesetzt. „Dabei gäbe es auch viele Möglichkeiten, die auch wirtschaftlich verträglich wären,“ endet Herbert Weiss.

„Wir wollen aber nicht nur jammern,“ betonen die Vorstände einstimmig. Schließlich hat es auch gute Entwicklungen gegeben und schließlich gibt es nach wie vor Menschen, die für die Natur Einsatz zeigen. Ein gemeinsamer Plan von Umweltverbänden, Politik und Wirtschaft – das wäre es halt… An die nächste Generation soll gedacht werden. Wahrscheinlich ist es wie mit so vielen, wahrscheinlich ist es menschlich: Werden Missstände nicht unmittelbar erlebt oder als bedrohlich angesehen, empfindet der Mensch keinen Handlungsbedarf. Dabei ist vieles längst Realität, auch vor unseren Haustüren: ausgetrocknete Brunnen und Quellen, verschwundene Arten, extreme Wettersituationen.

Nun ja, da es bekanntlich nichts Gutes gibt, außer man tut es, folgt die Kreisgruppe dem Erich-Kästner-Ausspruch. Da werden Amphibienzäune aufgestellt, Hecken und Bäume gepflanzt, die Streuobstwiesen in Westerndorf und Münchsdorf gepflegt, die Wasserschule etabliert. Wasserschule? In Kooperation mit den Arnstorfer Schulen und der Gemeinde wurde 2006 eine besondere Schule gegründet, die den Schülerinnen und Schülern den Lehrplan alles andere als trocken ergänzt: Hier kann direkt erlebt werden, was hier lebt und welche Auswirkungen das Wetter auf die Kollbach hat. Mit Vorträgen und Infoständen rundet die Kreisgruppe ihr Wirken ab. „Die vielen Aktionen helfen direkt und stimmen positiv,“ sagt Katrin Veicht. Zudem wenden sich viele Bürger an die Kreisgruppe, wenn es um Konflikte geht. Die Vorständin nennt die beiden großen Themen, die aktuell von Interesse sind: die alten Linden an der Mittel- und Realschule, die angedachte Umgehungsstraße. Zudem gibt es regelmäßige Bürgermeistergespräche, bei denen die Ortsgruppe Gelegenheit hat, ihre Sicht der Dinge darzustellen und auch versucht, Ratschläge einzubringen.

 

Es gibt viel zu tun – einst, jetzt und in Zukunft. Das tragende Motto „bloß nicht aufgeben“ wird weiterhin bestehen bleiben. Katrin Veicht, Herbert Weiss und Hündin Lilly stellen sich zum Foto auf, am Rande des Niedermoor nahe einer großen Eiche. Dann geht es zurück zum Auto, vorbei am Kollbachtaler Moor, an den Wiesen, dem Wald. Es regnet inzwischen ein wenig, wichtig ist das für uns alle. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung, noch so ein Satz, der mehr denn je Bedeutung hat.

 

Im Rahmen des Projekts „Ein Vereinsnetzwerk in und um Arnstorf“ des Förderprogramms “Engagiertes Land” der DSEE (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt).

Der Herbststammtisch war wieder ein voller Erfolg!

Am 08. Oktober 2022 traf sich das „Vereinsnetzwerk in und um Arnstorf“ zum zweiten Vereinsstammtisch. Es freut uns sehr, dass sich die Vereine, Initiativen und Engagierten aus der Marktgemeinde Arnstorf dafür Zeit genommen haben.

Das „Vereinsnetzwerk in und um Arnstorf“ wächst!  Vier neue Vereine konnten in unserem Netzwerk begrüßt werden, den LAC Arnstorf, den VdK-Bayern e.V. Ortsverband Arnstorf, die Chorgemeinschaft Oschiroh und die Wasserwacht.

Nach der Begrüßung von Bürgermeister Christoph Brunner gab Sonja Geigenberger einen kurzen Rückblick, was das Vereinsnetzwerk bisher schon erreicht hat. Sie teilte den Engagierten mit, dass eine  Weiterförderung im Projekt „Engagiertes Land“ für das Jahr 2023 beantragt wird. Christoph Brunner informierte über die angedachte Anschaffung eines Event-Anhängers zur Ausleihe, um die Vereinsarbeit vor Ort zu erleichtern.

Durch den Nachmittag führte Moderator Florian Wenzel. Nach einer ausführlichen Vorstellungsrunde beschäftigten sich die Vereinsvertreter mit Fragen wie „Was macht meinen Verein so einzigartig?“ und „Welche gemeinsamen Herausforderungen und Chancen haben wir?“ In einer weiteren Gruppenarbeit arbeitete Herr Wenzel mit den „Vier Elementen“, da hieß es: Was funktioniert schon und was braucht es noch, dass das Vereinsnetzwerk noch besser wird? Die Ergebnisse werden von der Strategiegruppe im Frühjahrsstammtisch wieder aufgegriffen und an Lösungen gearbeitet.

Sehr freuen uns die positiven Rückmeldungen zur neuen Vereinszeitung „Lieber Arnstorf“, die bisher zweimal heraus kam. Die Vereinsportraits zeigen den Leserinnen und Lesern, was der vorgestellte Verein macht und wer dort aktiv tätig ist.

Stolz wurde das eigens entwickelte Logo für das Netzwerk präsentiert und die neu angeschafften Schlüsselanhänger verteilt.

Der Herbststammtisch interessierte auch den Fernsehsender „Niederbayern TV“. Der Beitrag wurde bereits ausgestrahlt: Link zum Beitrag

2023 wird die Strategiegruppe in Zusammenarbeit mit Vertretern aus dem Vereinsnetzwerk mit der Planung des aus dem Netzwerk gewünschten Straßenfestes beginnen. Also seid gespannt!

Die Veranstaltung war wieder eine sehr gelungene Sache! Wir freuen uns auf den Frühjahrsstammtisch 2023, der am 25.03.2023 von 15:00 – 18:00 Uhr im Hofwirt in Mariakirchen stattfindet.

ermöglichen. fördern. vorantreiben.

 

Im Portrait: Der FC Mariakirchen – aktiv nicht nur auf dem Platz

Auf dem Fußballplatz wird trainiert, während sich einige Vorstandschafts-Mitglieder im Vorzelt eingefunden haben. Christine Naneder, Rupert Unger, Robert Kettl und Hans Büchner resümieren über die lange Zeit, die sie dem FC Mariakirchen schon treu sind. Der Verein steht gut da, zwei Herrenmannschaften, zwei Damenmannschaften, dazu die Jugend und hervorragende Schiedsrichter. Seit nunmehr 90 Jahren wird in Mariakirchen im Verein Fußball gespielt, seit 1990 machen auch die Frauen mit. Das gute Miteinander und der Zusammenhalt – das ist es, was den Verein stark macht und die Vorstandschaft schätzt.

Christine Naneder ist seit 1991 aktiv dabei, heute ist sie vierte Vorständin. „Mit 13 Jahren habe ich begonnen, Fußball zu spielen – insgesamt 30 Jahre lang. In Mariakirchen haben wir bis zur Landesliga gespielt, wir waren wirklich sehr erfolgreich. Seit 2012 bin ich schon in der Vorstandschaft. Wir sind schon ein super Haufen.“ Die Männer stimmen ihr zu und erster Vorstand Hans Büchner erzählt, wie sich die Damenmannschaft damals aus der Landjugend hervorgetan hat und dass in den heiligen Hallen des Vereinsheims auch noch die Damengymnastikgruppe ihren Platz findet oder aber bei gutem Wetter auf dem Rasen – seit 1982. Er selbst ist 1981 nach Mariakirchen gekommen, vor über 40 Jahren. Bis 2002 ging seine eigene Spielerkarriere, da war er längst in der Vorstandschaft. 2016 wurde er zum ersten Vorstand gewählt, vorher war er Ehrenamtsbeauftragter. „Ich bin durch meinen Schwager zum Fußball gekommen. Jetzt bin ich so lange dabei, da ist mein größter Wunsch, dass es weitergeht.“

Robert Kettl ist zweiter Vorstand und sieht das freilich ganz genauso. Früher hat er in Münchsdorf gespielt, bis er in die Nähe von Mariakirchen gezogen ist und sein Sohn zum Fußball wollte. So ist auch er wieder aktiv geworden und seit 2016 in der Vorstandschaft. Er kümmert sich um das ganze Sponsoring, um die Kleidung, bestellt Trikots, übernimmt das Grillen bei den Spielen, macht den Stadionsprecher, ist Versteigerer bei der jährlichen Christbaumversteigerung und ist als 2. Vorstand bei allen wichtigen sowohl sportlichen als auch wirtschaftlichen Entscheidungen mit eingebunden.

Rupert Unger spielt Fußball, seit er zehn Jahre alt ist. Seit etwa dreißig Jahren trainiert er selbst die Jugend, seit zehn Jahren ist er Jugendleiter. „Es ist schön, Kinder zu begeistern,“ sagt er und fügt mit einem Bedauern hinzu: „Auch wenn die eigenen Kinder nicht spielen wollten. Und der Enkel wird wohl auch kein Fußballer.“ Der gebürtige Mariakirchner freut sich, wenn sich auf dem Platz was rührt und ist froh  über das gute Miteinander mit der Vorstandschaft und allen Aktiven.

Dazu zählen freilich nicht alle der rund 400 Mitglieder. Was die Vorstandschaft freut: Durch Corona gab es keine Einbußen – weder seitens der Mitglieder noch der Sponsoren. Alle haben dem FC Mariakirchen die Treue gehalten. Und in der harten Zeit hat sich der Verein was einfallen lassen: Als das Mariakirchner Schlossbräu sein Festbier nicht ausschenken konnte, weil es schlichtweg keine Festl gab, organisierte der FC im Jahr 2020 eine Weihnachtsbierversteigerung anstatt der üblichen Christbaumversteigerung. Alle Mitglieder wurden angeschrieben und die Aktion online durchgezogen. Ein neues, aber gutes Erlebnis war das, wie sich die Vier erinnern.

Mit guten Ideen hat der Verein Erfahrung – und neben dem Kerngeschäft, dem Fußballspielen, kennen sich die Mariakirchner bestens mit Feierlichkeiten aller Art aus. Hans erzählt vom Open-Air im Schlosspark, das von 2000 bis 2016 ein echtes Highlight im Vereinsjahr war. Die letzten Jahre aber war das Ereignis abgeflacht und es galt Neues zu ersinnen. So entstand eine weitaus größere Nummer: das VolXfest. Neben dem Vergnügungspark, dem Bierzelt und dem Festauszug begeistern an einem Wochenende die gut 3000 Besucherinnen und Besucher ein Oldtimertreffen, eine Trachtenmodenschau, Goaßlschnalzer sowie im Jahr 2019 die Kür der Kollbachtaler Goaßalkönigin. Freilich ist auch auf dem Sportplatz ein ordentliches Programm geboten. Damit alles reibungslos ablaufen kann, hat der FC ein Eventteam zur Stelle – gut 150 Leute, die das Fest organisieren und durchführen. Coronabedingt war nun ein paar Jahre lang Pause, aber 2023 soll es wieder heißen können: „Auf geht’s zum Volxfest!“ Weiteren Einsatz zeigt der Verein stets beim Mittelalterfest in Arnstorf. Schon ein wenig stolz sagt Hans Büchner: „Wir gehen als Bäcker und sind mit 90 Leuten die größte Gruppe.“ Vom Umzug bis zum Lagerleben wird das Fest gebührend gefeiert.

Neben den obligatorischen Festen wie der alljährlichen Weihnachtsfeier sowie der Skifahrt, die seit über 35 Jahren veranstaltet wird, engagiert sich der FC Mariakirchen auch sozial. Beim Spendenlauf 2021 kamen mit Radfahren, Laufen oder Walken über 4000 Euro zusammen, über hundert Leute gingen an den Start. Die Idee entstand nach mehreren Todesfällen innerhalb des Vereins, eigentlich sollten die betroffenen Familien unterstützt werden. Die nahmen nicht an und so kam das Geld schließlich der Kinderkrebshilfe bzw. Palliativstationen zugute.

Das Resüme der Vorstandschaft ist durchwegs positiv. Der Verein steht gut da, man freut sich auf kommende Feierlichkeiten, schätzt das gute Miteinander – und nicht zuletzt auf die Schiedsrichter ist man stolz: Simon und Alex Stadler pfeifen die Landesliga, Fabian Büchner, Hans‘ Sohnemann, sogar die Bayernliga der Herren sowie die A-Jugend Bundesliga. Und dann sind da noch zwei 14-Jährige Nachwuchsschiedsrichter, in denen der Verein ebenfalls viel Potential sieht. Glücklich schätzt sich die Vorstandschaft auch mit der Gemeinde, die den FC unterstützt, wo es nur geht – sei es beim regelmäßigen Mähen des Platzes oder beim Organisieren von solarbetriebenen Straßenlampen, damit auch im Dunklen alles gut ausgeleuchtet ist und sich jeder sicher fühlen kann.

Zum Fotografieren geht’s auf den Platz, wo die Herrenmannschaft beim Training ihre Runden dreht. Ein paar Sprüche gehen hin und her, die abendliche Sonne leuchtet in die zufriedenen Gesichter, Fußballplatzromantik, Zusammenstehen, und ja – ein sichtlich gutes Miteinander.

 

Im Rahmen des Projekts „Ein Vereinsnetzwerk in und um Arnstorf“ des Förderprogramms “Engagiertes Land” der DSEE (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt).

Im Portrait: Frauenbaum e. V. – „Unser Ziel ist es, Frauen zu unterstützen“

Die Sonne lädt an diesem Tag dazu ein, sich auf Marion Winters Terrasse niederzulassen. Mit ihr sitzen da Sinhai Winter, ihre Tochter, sowie Annette Heidrich und Johanna Feßler, die gemeinsam den Frauenbaum e.V. gegründet haben. Die Frauen taten sich zusammen, um ihr Wissen und ihre Kompetenzen zu bündeln und damit andere zu unterstützen. Das war im Frühjahr 2020, als Corona unser aller Leben veränderte und zunächst verhinderte, dass die Frauen mit Seminaren durchstarten konnten.

„Unser Ziel ist es, Frauen in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen,“ sagt Marion Winter. „Mit der Zeit wollen wir ein größeres Netzwerk bilden, damit Frauen im Landkreis und auch darüber hinaus wissen, wohin sie sich wenden können, wenn sie Hilfe brauchen.“ So eine Stelle gab es bis dato im Landkreis Rottal-Inn nicht. Auch ein Frauenhaus oder eine Notfallunterkunft sucht man hier vergebens, obwohl es die Möglichkeiten dazu gegeben hätte, wie die Vorständin erzählt. Es kam nicht zustande, obwohl man durchaus nicht sagen kann: „Bei uns braucht’s sowas nicht.“ „Natürlich gibt es Gewalt und sexuelle Übergriffe auch im Rottal-Inn-Gebiet,“ sagt Johanna Feßler mit hochgezogenen Brauen. Ohnehin groß genug sei die Hemmschwelle, sich überhaupt Hilfe zu suchen – und wenn die Betroffenen dazu bereit sind, sollte es doch so einfach wie möglich sein, Anlaufstellen zu finden.

Als ausgebildete Rechtsanwältin kann Johanna Feßler mit ihrer Expertise unterstützen, als ehemalige Betriebswirtin steht Annette Heidrich den Frauen in finanziellen Angelegenheiten mit Rat und Tat zur Seite. Zudem engagiert sie sich schon viele Jahre für Flüchtlinge, weshalb ihr außerdem das Aufgabenfeld Integration und Migration zukommt. Sinhai Winter ist Psychologin und kann die Frauen mit ihrer Erfahrung auch in diesem Bereich unterstützen. Und Marion Winter weiß als selbstständige Unternehmerin, wie sich Frauen eine eigene Existenz aufbauen oder sich im Arbeitsleben zurechtfinden können. Mit dabei ist auch noch Mia Goller, die ihr Netzwerk in der Region zur Verfügung stellt und die Pressearbeit übernimmt.

Die On-Off-Regelungen der Corona-Zeit haben die Anfänge des Vereins nun über Monate erschwert, mittlerweile ist das neue Seminarprogramm auf der Homepage sowie auf Facebook zu finden. Die Themen reichen dabei von rechtlichen Fragen über Gewaltprävention, sexuellen Übergriffen, Wiedereingliederung, Online-Partnersuche bis hin zu Seminaren für Vorgesetzte, damit diese mit sexuellen Übergriffen innerhalb ihrer Firma gerecht werden. Dazu soll ein Handwerkerkurs für Frauen stattfinden. „Frauen brauchen keine Männer zum Reifenwechseln oder Lampen montieren,“ ist sich Johanna Feßler sicher.

Geplant sind außerdem Vorträge zu frauenrelevanten Themen, dazu offene Gesprächsrunden. Aktuell setzen die Vereinsgründerinnen auf Social Media und Presse, um einen höheren Bekanntheitsgrad zu erreichen und ihr Netzwerk zu erweitern. Viel Aufmerksamkeit bekam der Verein durch seinen großen Einsatz in Sachen Ukrainehilfe: bislang haben 20 selbst organisierte Hilfstransporte mit freiwilligen Fahrerinnen verschiedenste Güter in die Ukraine gebracht. Es wurden stets gezielt Dörfer beliefert und immer gab es Rückmeldung, dass die Spenden direkt bei den Menschen ankamen. Nun ist eine Veranstaltung für Spender/Spendnerinnen und Fahrer geplant, um transparent zu zeigen, dass und wo die Spenden angekommen sind. Dabei werden die Fahrerinnen über ihre Fahrten berichten.

Marion Winter zegt sich zufrieden, wenngleich in Sachen Frauenhilfe noch nicht viel umgesetzt werden konnte: Der erste Schritt ist getan – ein wichtiger Schritt, wie sie findet. „Mir ist es wichtig, Dinge anzustoßen. Die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit von Frauen muss gestärkt werden. Was selbstverständlich klingt, hat aber gerade auch in der Region viel Nachholbedarf.“ Johanna Feßler sieht das ebenso: „Die fehlende Wahrnehmung von Frauen in der Öffentlichkeit ist ein gesellschaftliches Problem. Die klassische Rollenverteilung findet immer noch im Großteil der Bevölkerung statt. Auch die Behörden müssen endlich sensibler werden und Frauen stärken.“ Dass das oft ein Problem ist, weiß auch Annette Heidrich aus Erfahrung: „Ich habe mich immer schon für Frauen eingesetzt, weiß, dass Frauen oft nach Trennungen Unterstützung brauchen. Sei es beim Ausfüllen von Formularen, beim Aufzeigen von Möglichkeiten oder einfach einem offenen Ohr.“ Dieses offene Ohr hat Sinhai Winter unter anderem bei ihrer Arbeit mit Patientinnen und Patienten auf der transkulturellen Station einer Klinik für phsychosomatische Erkrankungen. Durch Studium und Arbeit weiß sie: „Viele Frauen sind nach wie vor belastet durch Expartner, nicht nur, wenn Kinder im Spiel sind. Und übergeordnet finde ich den Umgang mit Sprache sehr wichtig. Das ist wegweisend für ein gutes, gleichberechtigtes Miteinander.“

Willkommen im Frauenbaum e.V. sind alle, das wollen die Frauen betonen – natürlich auch Männer, die mit ihrer Sichtweise und Expertise dazu beitragen können, dass Gleichstellung ein Stück mehr zur Realität wird. Wer sich angesprochen fühlt, darf sich jederzeit melden bei Marion Winter, kontakt@frauenbaum.de.

 

Im Rahmen des Projekts „Ein Vereinsnetzwerk in und um Arnstorf“ des Förderprogramms “Engagiertes Land” der DSEE (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt).

Im Portrait: Der Skiclub Kollbachtal e.V. – gemeinsam mit dem Bus auf den Berg

In der guten Stube lässt es sich aushalten. Der Kachelofen ist eingeheizt und verbreitet direkt ein wenig Hüttenstimmung – auch nach der Saison. Wir sitzen daheim bei Christoph Brunner, der gemeinsam mit Doris Rickinger die Vorstandschaft des Skiclub Kollbachtal e.V. bildet. Nach und nach gesellen sich auch Christophs Frau und die Töchter dazu, allesamt begeisterte Skifahrerinnen. Sieben Jahre ist es her, seitdem die Vorstandschaft wechselte und mittlerweile wieder für Aufschwung in den Mitgliederreihen sorgte. „Gut 500 Winterbegeisterte sind wieder am Start, vor allem viele Familien und Kinder,“ fasst Doris Rickinger zusammen.

Christoph Brunner nickt: „Die Leute wollen Sport in der Natur machen. Skifahren hat schon ein Revival erlebt. Auch, weil es daheim oft kaum mehr Schnee gibt. Und weil man das Gesellige wieder mehr schätzt. Irgendwann galten ja die gemeinsamen Busfahrten etwas verstaubt. Umso schöner, dass man das jetzt wieder entdeckt hat.“ Doris Rickinger ergänzt: „Und der Umwelt tut es auch gut, wenn sich gleich ein ganzer Bus aufmacht, anstatt dass jeder einzeln das Skigebiet ansteuert.“ Sie selbst ist seit zwei Jahren im Vorstand, war zuvor Jugendvertretung.

 

Skikurse – echte Events

Aktuell macht sie die Ausbildung zur Skilehrerin, um das Team aus vier Skilehrern zu ergänzen. Schon ein wenig stolz ist der Verein auf seine eigene DSV-Skischule, eine Lizenz, die für Qualität garantiert. Sechs Jahre müssen die Kinder alt sein, um auf zwei Brettln loszulegen. Unter Lachen erzählen Christoph Brunner und Doris Rickinger vom letzten Skikurs in Mitterdorf im Bayerischen Wald, einem „echten Schneeloch“. Christoph höchstselbst machte ein Event draus, fuhr mit einem Anhänger samt Bierzeltgarnitur und Würstlkocher mit, um die Kinder und Skilehrerinnen/Skilehrern vor Ort zu bewirten. Eine zünftige, aber auch pragmatische Aktion, um die Verpflegung zu sichern, da keine Hütte aufgrund der Pandemie offen hatte.

Doris Rickinger zählt weiter auf: Von den Skikursen für Fortgeschrittene und denen für Erwachsene, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Sich als ausgewachsener Mensch auf Ski zu trauen, bedarf einer gehörigen Portion Mut, der Lohn dafür ist aber auch ein ungetrübtes Vergnügen in der weißen Pracht, aber auch beim Apré-Ski, meint Christoph Brunner und schmunzelt. Er selbst steht wie Doris Rickinger auch von Kindesbeinen an auf Skier. „Aus meiner Familie fuhr niemand Ski. Mich haben erst Spezl dazu gebracht,“ erzählt Christoph Brunner. „Bei mir war’s anders. Meine ganze Familie fuhr Ski und ich musste immer mit, was ich lange nicht leiden konnte. Bis ich dann vor ein paar Jahren meine Liebe zum Skifahren entdeckt habe,“ sagt Doris Rickinger.

 

Wenn die Partybox für Stimmung sorgt…

Lässt man die aktuellen Zeiten ausser acht, veranstaltet der Skiclub Kollbachtal an die 20 Fahrten pro Saison. Da erklärt sich auch die Namensgebung: Die Skifahrerinnen und Skifahrer kommen nicht nur aus Arnstorf, sondern auch aus Simbach bei Landau, aus Malgerdorf, Roßbach, Mariakirchen. Und wird einmal ein Bus doch nicht voll, wird mit anderen Skiclubs kooperiert. „Da haben wir dem früheren Kirchturmdenken ein Ende gesetzt,“ sagt Christoph Brunner.

Mit einem Strahlen in den Augen erzählt er von den Fahrten, die an und für sich schon ein Erlebnis sind: Bevor sich alle eingefunden haben, wird schon mal die Partybox vor den Bus gestellt. Während der Fahrt wird die Stimmung im Bus weiter angeheizt, damit vor Ort alle den richtigen Schwung finden. Auf dem Programm stehen Wochenend- und Ferienfahrten und dann noch die legendären Hausfrauenskifahrten an den Mittwochen im Februar, die man heute als Ladysday bezeichnen könnte, wobei sich auch Männer unter die lustige Gesellschaft mischen. Die Vorstände erzählen, wer gerade diese Fahrten zur Legende gemacht hat: Der Veicht Sebald, der als Hahn im Korb die losgelösten Hausfrauen von damals mit Sekt und Stimmung beglückte. Ja, da ließe sich sicher so manche Anekdote erzählen…

 

„Der Verein muss sich durch Familien erneuern“

Ja, und was macht ein Skiclub im Sommer? Lange nichts, wie Christoph Brunner und Doris Rickinger bekennen. Das soll nun ein Ende haben. Schließlich können die Skiregionen auch in der schneefreien Zeit was. Künftig sollen Wanderfahrten das Vereinsleben bereichern. Oder auch mal eine Radltour in der Region zu einem Biergarten. „Muss ja nicht immer weit weg sein, bei uns ist’s ja auch schön,“ sagt Christoph Brunner. Dazu soll das Jugendcamp heuer wieder aufgebaut werden. Und beim Ferienprogramm wird man sich auch wieder beteiligen. „Der Verein muss sich durch Familien erneuern, nur so geht’s,“ ist sich Christoph Brunner sicher. „Und durch Präsenz bei diversen Veranstaltungen wollen wir zeigen, dass es uns gibt.“ So wird beim Christkindlmarkt auf dem Stand im Skihüttenstyle Glühwein und mehr ausgeschenkt. Beim Familienfest ist der Verein vertreten und künftig auch beim geplanten Vereinsfest, das im Wechsel mit dem Mittelalterfest „Auf Heller und Barde“ stattfinden soll.

 

Für’s Foto verlassen Christoph Brunner und Doris Rickinger den gemütlichen Tisch beim Kachelofen, schlüpfen in ihre Skihosen und -jacken und setzen sich in den Wintergarten des Vorstands, wo nicht weniger Hüttenflair herrscht. Danach wandert die Kleidung erst mal in den Schrank, bevor es in der nächsten Saison wieder auffe geht auf’n Berg – nein halt, zuerst eini in den Bus…

 

Im Rahmen des Projekts „Ein Vereinsnetzwerk in und um Arnstorf“ des Förderprogramms “Engagiertes Land” der DSEE (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt).

Im Portrait: Die Arnstorfer Laufgemeinschaft e.V. – „Laufen kann man in jedem Alter“

Am Schulzentrum trifft sich die Arnstorfer Laufgemeinschaft jeden Montag und Mittwoch zum Training. Heute ist Mittwoch, die Sonne gibt, was sie kann und drei Vorstände haben sich bereits eingefunden mit ihren leuchtend grünen Trikots. Conni Bauer teilt sich mit Manfred Felixberger die Vorstandschaft – letzterer wird es heute nicht schaffen, zu viel Arbeit bei dem guten Wetter. Wer immer da ist, ist Alois Wimmer, der Trainer. Und Kassier Lukas Blindauer ist ebenfalls zur Stelle. Die drei begeisterten Läuferinnen und Läufer erzählen von ihrem 2013 gegründeten Verein, während nach und nach die anderen dazukommen.

„Zwischen Jung und Alt gibt’s bei uns keine Grenze,“ sagt Lukas. „Zwischen 20 und 71 Jahren ist alles dabei.“ Er grinst zu Alois hin, der sich mit den 71 Jahren angesprochen fühlt. Kein Problem für den Trainer, der schon seit 45 Jahren Sportabzeichen abnimmt. Dazu braucht es den Übungsleiterschein, der mit einer Kampfrichterausbildung und einer bestandenen Sportabzeichenprüfer-Prüfung zu haben ist. Vier Disziplinen werden geprüft: Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft, Koordination. Und wozu macht man das Sportabzeichen? „Um seine eigene Leistung zu bestätigen,“ sagt Alois. Er selbst hat das Abzeichen schon 37 Mal gemacht. Grade eben war er bei der Europameisterschaft in Italien am Start und belegte in seiner Altersklasse den sechsten Platz.

Alois weicht in den Schatten aus, setzt die Sonnenbrille ab: „Durch einen Freund bin ich zum Laufen gekommen. Erst haben wir gemeinsam geboxt, das war mir auf die Dauer zu brutal. Fußball war auch nicht meins, also hab ich es mit Leichtathletik versucht. Bis heute laufe ich, um nach der Arbeit abzuschalten. Und um Meisterschaften zu gewinnen. Das braucht viel Leistung, die gehalten und gesteigert werden will.“

Conni nickt: „Obwohl ich ein Nerverl bin, bin ich auch immer gern Wettkämpfe gelaufen. Es geht mir nicht darum, vorn dabei zu sein, sondern überhaupt mitzumachen. Was mich motiviert, ist das Training, das ist für mich ein Fixtermin, egal bei welchem Wetter. Zum Laufen bin ich über meinen Sohn gekommen – den hab ich zu Alois ins Training gefahren, bis ich auch mitgemacht habe. Heute ist mein Sohn nicht mehr dabei – aber ich.“ Conni hat bereits 27 Mal das Sportabzeichen abgelegt, sie nennt es ihre persönliche Fitnessprüfung. Beim Training fühlt sie sich immer motiviert, für sie ist es ein Fixtermin, unabhängig vom Wetter.

 

Geselligkeit und Motivation

Und auch Lukas erzählt von seinen Anfängen: „Ich hatte schon immer Spaß am Laufen und bin über einen Freund in der Schulzeit motiviert worden. Heute zieh ich meine Laufschuhe an und auf geht’s. Ich mag den Sport, weil ich allein loslegen kann, weil meine Leistung leicht messbar ist. Ich hab die Erfolge für mich allein – aber eben auch die Misserfolge.“

Aktuell zählt die Laufgemeinschaft 70 Mitglieder, trainiert wird jede Woche zweimal. Bei gutem Wetter kommt immer der harte Kern zusammen, 20, 25 Leute, schätzt Alois, der nur dann nicht dabei ist, wenn er mal außer Gefecht ist. Gelaufen wird ab dem Schulzentrum, in der warmen Jahreszeit über Wiesen und in den Wald, wohin es die Läuferinnen und Läufer gerade zieht. Und in der nass-kalten Jahreszeit bleiben die Sportbegeisterten lieber auf der Straße. Neben den wöchentlichen Trainingseinheiten finden von April bis Oktober Wettkämpfe statt, in Deutschland und Österreich.

Conni erzählt: „Einmal im Jahr fahren wir ins Trainingslager nach Bibione über Ostern. Zweimal täglich laufen wir – vorm Frühstück und am späten Nachmittag.“ Heuer war die Laufgemeinschaft mit 13 Leuten am Start und das Strahlen in Connis Augen allein verrät schon, dass die Gruppe die Zeit sehr genossen hat.

Das gute Miteinander und die gegenseitige Motivation – das ist es, warum die Laufgemeinschaft guten Zuwachs erfährt. Immer wieder werden für Einsteiger Laufkurse angeboten und gut angenommen. Alois verrät sein Patentrezept: „Ein langsamer Aufbau ist wichtig.“ Und Conni weiß: „Junge Leute springen oft ab, um später wiederzukommen.“ Einen großen Vorteil am Laufsport sieht sie darin, dass immer wieder damit angefangen werden kann.

Lukas nickt. Er selbst hat nie aufgehört und erzählt begeistert von den weiteren Aktivitäten des Vereins: „Im Oktober veranstalten wir die Niederbayerische Crosslauf-Meisterschaft. Cross heißt, dass wir nicht auf der Straße, sondern auf Wiesen, Feldwegen und im Wald laufen. Grundsätzlich veranstalten wir jeden dritten Sonntag im Januar einen Crosslauf für die Region. Im Oktober geht’s nun etwas größer her.“

Zuvor wird aber noch gewandert: Im September fährt die Laufgemeinschaft traditionell in die Alpen – heuer besuchen sie Lukas‘ Schwester, die die Saison auf einer Alm verbringt. Im Frühjahr fahren die Läuferinnen und Läufer zum Wandern in den Bayerischen Wald. Beim Mittelalterfest ist die Laufgemeinschaft mit einer Gruppe am Start: Als Schwarwerker sind sie beim Umzug mit dabei. Nicht zu vergessen ist auch die beliebte Weihnachtsfeier. Und fast vergessen worden beim Aufzählen der Aktivitäten wäre das Ballonglühen in Arnstorf, wobei die Laufgemeinschaft fleißig Glühwein ausschenkt – mit Corona hat das vorerst pausiert.

 

Nun haben sich alle wöchentlichen Läuferinnen und Läufer eingefunden, lauter grüne Trikots. Und einstimmig nicken die Sportlichen: Jawohl, die Verlässlichkeit und das Engagement im Verein ist großartig. Für’s Foto präsentieren die jungen und älteren Leute auch gleich das gute Miteinander, sind für jeden Spaß zu haben. Und während die Sonne nochmal alles gibt, machen sie sich auf zum gemeinsamen Lauf des Trainingstages.

 

Im Rahmen des Projekts „Ein Vereinsnetzwerk in und um Arnstorf“ des Förderprogramms “Engagiertes Land” der DSEE (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt).

Im Portrait: Die Nachbarschaftshilfe Arnstorf – „Die Leute sind froh, dass es uns gibt“

Im Zentrum für Familie und Senioren haben sich die eifrigen Nachbarschaftshelfer und -helferinnen bereits versammelt. Direkt am Arnstorfer Marktplatz befindet sich der Treffpunkt, wo sich die Senioren und Seniorinnen regelmäßig austauschen. Hermine Feilen hat den Überblick, teilt die Einsätze ein – seit Herbst 2014, als die Nachbarschaftshilfe gegründet wurde. Damals haben sich elf Helfer und Helferinnen freiwillig gemeldet, 2015 gab es die ersten Einsätze. Am Ende des Jahres sollte die Nachbarschaftshilfe 47 Mal in Anspruch genommen worden sein. Sieben Jahre später, im Jahr 2021 waren 23 Helfende insgesamt 274 Mal im Einsatz. Hermine Feilen hat die Zahlen parat.

Wie sieht nun die Nachbarschaftshilfe konkret aus? „Es hat sich herausgestellt, dass hauptsächlich Fahrten gewünscht sind,“ sagt Hermine Feilen. „Wir fahren überall hin. Und wir warten.“ Meist handelt es sich um Arztbesuche oder andere Termine, die Menschen ohne Auto oder Führerschein wahrnehmen wollen. Für den gefahreren Kilometer fallen 30 Cent an, die Wartezeit ist kostenlos. „Die Leute sind froh, dass es uns gibt,“ sagt Hermine Feilen und blickt anerkennend in die Runde.

Da sitzt Hans Schiebietz, der seit vier Jahren dabei ist und vollen Einsatz zeigt: „Das macht mir Spaß, gern bin ich auch kurzfristig zu haben. Man lernt neue Leute kennen, kommt ins Gespräch. Ich bin schon bis nach Regensburg gefahren, alles kein Problem.“ Und wenn er mal nicht gleich einen geeigneten Parkplatz findet, zieht er sich sein selbst gemachtes Leiberl mit der Aufschrift „60 plus“ an, setzt den Warnblinker, „dann geht das“. Oft sind Leute, die zum Arzt müssen, eben nicht mehr so gut auf den Beinen, um weite Wege zu gehen.

Josef Haberls Fahrten haben ihn schon durch den ganzen Landkreis und bis nach Passau gebracht. Er ist fast von Anfang an dabei. Für die Wartezeiten hat er immer was zum Lesen im Auto. „Ich fahre sehr gern und kenne mich in der Gegend gut aus. Und ich unterhalte mich gern mit Leuten,“ sagt der Rentner. Seine Kollegin Iris Salewski wirft ein: „Darum weiß er auch alles.“ Alle lachen, einschließlich Josef Haberl. Er schätzt es, gebraucht zu werden, nicht nur für Fahrten, auch wenn im Sinne der Nachbarschaftshilfe „Elektrisches“ gefragt ist.

Neben Josef Haberl sitzt Hilde Boris, die seit sechs Jahren mit dabei ist. Sie kommt aus Schönau, von wo aus sie ihr Auto in sämtliche Richtungen steuert, oft sind Fahrten ins Krankenhaus nach Simbach am Inn gefragt, wie sie erzählt. „Ich rede gern, da vergeht die Zeit schnell,“ sagt sie mit einem Lachen. „Kurzfristig oder angekündigt, ich bin flexibel. Die Leute sind so dankbar, das freut mich gscheid.“ Und sie verrät, wie sie die Wartezeiten verbringt: mit Schafkopfen auf ihrem Tablet.

Hermine Feilen wirft stolz ein, wie gut sich die Nachbarschaftshelfer:innen in den Zeiten der Pandemie geschlagen haben: „Das war ganz schön anspruchsvoll. Die Fahrer und Fahrerinnen durften ja nicht mit in die Wartezimmer. Bei Hitze und Kälte mussten sie oft stundenlang draußen warten. In ein Café konnten sie ja auch nicht gehen.“ Und weiter erzählt sie von den „Fahrgemeinschaften“, die sich oft bilden, weil manche Leute immer die selben Fahrer oder Fahrerinnen haben wollen. Da kennt man sich schon, da ist man sich vertraut und fühlt sich sicher.

Maria Kudell nickt. Sie sitzt in ihrer feinen Bluse am Tisch und ist schon ein wenig stolz, die älteste Fahrerin in der Runde zu sein: Mit 88 Jahren traut sie sich durchaus noch Fahrten bis Pfarrkirchen und Eggenfelden zu, sie hängt Plakate auf und verteilt Flyer. „Ich werde gern gebraucht,“ begründet sie ihr Engagement. Und sie fügt hinzu: „Ich bleibe doch nicht daheim sitzen und warte aufs Sterben.“ Dabei lacht sie kein bisschen, es ist ihr ernst und darum nimmt sie auch schon mal vier Termine an nur einem Tag wahr.

Und da ist noch Iris Salewski, die selbst nur in Notfällen Fahrten übernimmt, aber einspringt, wenn Hermine Feilen bei der Koordination Unterstützung braucht. „Das ist schon Wahnsinn, was Hermine leistet,“ sagt sie voller Anerkennung. Gern macht sie auf die Nachbarschaftshilfe aufmerksam, schaut, dass immer wieder mal ein Artikel in der Zeitung erscheint, während Hermine Feilen den Überblick behält: Sämtliche Anrufe trudeln bei ihr ein, außer die Fahrer:innen haben ihrer treuen Kundschaft die Nummer gegeben. Alle am Tisch nutzen WhatsApp, außer Josef Haberl, der sich vehement weigert, andauernd auf sein Smartphone zu schauen.

Hermine Feilen selbst setzt sich nicht hinters Steuer, außer in Notfällen. Sie ist mit der Planung ausgelastet und beschränkt sich auf das, was sie gern macht und kann: „Ich war zeitlebens Sekräterin, Buchhalterin,“ sagt sie. Mit Iris Salewski und Maria Kudell ist sie Trägerin der Goldenen Ehrennadel, was man durchaus schon mal erwähnen kann. Der Einsatz der Rentner:innen bedeutet vielen Arnstorfer:innen große Unterstützung. Hermine Feilen: „Wer bei uns mitmachen will, ist herzlich Willkommen. Gute Leute können wir immer brauchen.“

 

Im Rahmen des Projekts „Ein Vereinsnetzwerk in und um Arnstorf“ des Förderprogramms “Engagiertes Land” der DSEE (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt).

Im Portrait: Die Kolpingsfamilie Arnstorf – Gutes tun und für andere da sein

Im Pfarrzentrum unter dem Dach hat die Kolpingsfamilie Arnstorf ihren Platz. Eingefunden hat sich neben Pfarrer und Präses Bernhard Saliter das Vorstandsteam, bestehend aus Rosemarie Peter, Kordula Bachl und Helmut Grünbeck. Außerdem dabei ist Hildegard Forster, die sich engagiert, wo sie nur kann. Gemeinsam reflektieren die Mitglieder über das Bestehen der Kolpingsfamilie vor Ort, die Teil des Kolpingwerks und somit eines der größten Sozialverbände Deutschlands ist.

Thomas Pröcklmaier war es, der 1958 mit Helmut Kronwinkler die Kolpingsfamilie in Arnstorf gründete. Letzterer ist nach wie vor aktiv. Anfangs waren Mädchen und Frauen nicht zugelassen, erst 1971 änderte sich diese Regelung. „Gegründet wurde die Vereinigung von Adolph Kolping im Sinne eines Gesellenvereins,“ sagt Bernhard Saliter. „Ziel war es, jungen Wanderburschen Werte zu vermitteln – christlich und weltlich.“

Aktuell zählt die Kolpingsfamilie 90 Mitglieder, eine Jugendgruppe gibt es schon seit gut zehn Jahren nicht mehr, was die Anwesenden bedauern. „Die Glanzzeiten der Kolpingsfamilien waren in den 80ern,“ sagt Rosemarie Peter. „Da war die Jugendarbeit im Vordergrund. Ausbildungsunterstützung, Vorträge und Freizeit haben dazugehört.“ Sie selbst hat die Jugendgruppe bis 2015 geleitet, bis die Jugendlichen einfach „drausgewachsen“ sind und keine Neuzugänge dazugekommen sind.

Warum nicht? Bernhard Saliter zuckt mit den Schultern. Zu viele andere Angebote und dazu fehlendes Engagement von möglichen Gruppenleiterinnen und Gruppenleitern. Rosemarie Peter ergänzt: „Und ganz ehrlich – wir sind eine kirchliche Vereinigung. Das interessiert die Jugend heute nicht mehr.“ Auch Corona hat an der Kolpingsfamilie gerüttelt – Treffen waren nicht möglich und auch die gewohnten Aktivitäten konnten nicht stattfinden. Jetzt dürfen sich alle erst wieder daran gewöhnen, dass wieder was möglich ist.

 

Sammeln für Malawi und Uruguay

Die Familienmitglieder zählen sämtliche wichtige Ereignisse rund ums Kirchenjahr auf: Den Emmaus-Gang, die Maiandachten, Pfingsten, das Gestalten des Fronleichnamsaltars, Rosenkränze, den Bibelabend, den Stammtisch in örtlichen Gasthäusern, Radtouren, Kulturfahren, Vorträge. „Wir gehören zum Diözesanverband Passau,“ erklärt Hildegard Forster. „Der Verband bietet zusätzlich Aktivitäten an, bei denen sich jedes Mitglied jeder Familie im Verband anschließen kann.“ Das ist das Schöne, wie alle bestätigen: Man trifft sich überregional. Zum Beispiel bei der geplanten Romfahrt Ende Oktober 2022, die von Passau aus organisiert wird.

Und man tut Gutes. Der Diözesanverband Passau unterhält Partnerschaften zu Uruguay und Malawi. Für diese Länder hat sich die Kolpingsfamilie in Arnstorf schon mit so mancher Aktion beteiligt: Alte Handys wurden gesammelt, um die Rohstoffe zu verwerten. Alte, aber noch tragbare Schuhe hat man zusammengetragen und gespendet. Dann gab es die Kolpingziege Erna, ein Stofftier, für deren Erlös eine Ziege oder Saatgut für Malawi gegeben wurde. Bernhard Saliter nennt außerdem den Weihrauch-Verkauf, der zusammen mit Räucherkohle und Kreide in den Gottesdiensten um Neujahr verkauft wird und dessen Erlös ebenfalls den Eine-Welt-Ländern zugute kommt. Hildegard Forster erzählt von der Briefmarkenaktion, die es seit vielen Jahren auch in Arnstorf gibt:  „Gebrauchte Briefmarken werden gesammelt. Dafür steht ein Briefkasten mit Kolpingzeichen im Foyer des Rathauses bereit, dazu der in der Walkstraße 5. Durch das Sammeln ermöglichen wir jungen Menschen im Globalen Süden eine Berufsausbildung.“ Corona hat das Sammeln zwar stark eingeschränkt, wie sie sagt, dennoch kamen deutschlandweit 2021  immerhin über 9.000 Euro zusammen – auch Dank der Arnstorfer.

Auch direkt vor Ort ist die Kolpingsfamilie im Einsatz. Seit Jahrzehnten organisieren die Mitglieder die Nikolausbesuche. Derzeit sind jedes Jahr sechs Nikoläuse mit ihren Kramperln im Einsatz. Die Kostüme wurden vor Ort genäht. Auch Bernhard Saliter schlüpft alljährlich hinein, setzt die Mitra auf und nimmt den Stab in die Hand, wenn er die Grundschülerinnen und Grundschüler besucht. In den letzten beiden Jahren war dies nicht uneingeschränkt möglich, weshalb sich Hildegard Forster was einfallen ließ: Der Nikolaus schrieb Briefe und schickte sie an die Kinder. Das kam gut an und ließ die Tradition nicht in Vergessenheit geraten. Der Erlös der Nikolausbesuche kommt selbstredend den Partnerländern zugute.

 

Wetteinsatz: Blumenzupfen

Und noch eine lustige Geschichte hat Hildegard Forster parat: Da aufgrund Corona großes Wallfahrten nicht möglich war, kam die Kolpingjugend der Diözese Passau auf folgende Wettidee: „Wetten, dass Ihr es nicht schafft, mit wenigstens fünf Mitgliedern Eurer

Kolpingsfamilie bis Ende Oktober 2021 eine Wallfahrtsstrecke von mindestens fünf Kilometern zurückzulegen!“ Es war nicht nur der Wetteinsatz, der die Arnstorfer anspornte. Sollten sie gewinnen, durften sie frei wählen, was die Kolpingjugend machen musste. Schließlich marschierten sieben Personen von Reischach bis nach Altötting und zurück – mit 24 Kilometern wurde die Wette also locker gewonnen. Heuer wird der Wetteinsatz gefordert: Die Kolpingjugend darf beim Blumenzupfen für den Fronleichnam-Altar helfen.

Die Runde überlegt, was sich noch so alles tut. Ach ja, selbstverständlich beteiligt sich auch die Kolpingsfamilie Arnstorf am Mittelalterfest: Als Fußvolk bieten sie selbst gebundene Buchsbaum-Kranzerl und heuer auch Duftsackerl feil. „Wir sind von Anfang an dabei,“ sagt Rosemarie Peter. Auch schon lange Zeit ist die Kolpingsfamilie beim Sommerfest im Parkwohnstift dabei. Mit einem Theaterstück und Spielen bereichern sie den Nachmittag der Senioren mit ihren Angehörigen. Und nicht zuletzt erzählt das Vorstandsteam vom Wunsch, Adolph Kolping möge endlich in den Stand der Heiligen gerufen werden. Dazu bräuchte es noch ein nachgewiesenes Wunder, wie Bernhard Saliter erklärt. Mit der Unterschriftenaktion „Kolping ist mir heilig“ setzte sich der Sozialverband dafür ein, dass der Vatikan dieses Wunder endlich finden sollte.

 

Ganz neu: die Stiftung

Was gibt den Mitgliedern ihre Kolpingsfamilie? Bernhard Saliter macht den Anfang: „Ich schätze den Zusammenhalt, darum sind wir eine Familie und kein Verein. Wir stehen füreinander ein.“ Hildegard Forster ergänzt: „Mir gefällt, dass die Familien generationenübergreifend sind. Alle dürfen mitmachen – wir haben was für Familien, Senioren, Mütter und Väter und Großeltern mit ihren Kindern und Enkeln zu bieten. Und es erfüllt mich, Gutes tun zu können“ Über sich selbst sagt sie: „Ich bin eine Gschaftlerin. Ich springe überall auf, wo ich was vorwärts bringen kann. Wichtig ist mir, dass wir im Gespräch bleiben.“

Rosemarie Peter erzählt von ihrer Motivation: „Für mich ist nicht nur die Freizeit, sondern auch der christliche Hintergrund wichtig. Ich bin durch meine Familie in Kolping reingewachsen, dadurch hab ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Heute mag es ich besonders, Gottesdienste und Maiandachten zu organisieren.“ Kordula Bachl schließt sich an: „Ich schätze die Gemeinschaft zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Der Kontakt zu anderen Kolpingsfamilien tut gut.“ Dem hat Helmut Grünbeck nichts mehr hinzuzufügen. Seine Vorrednerinnen und Vorredner haben alles gesagt, was auch er an der Kolpingsfamilie mag.

Bevor sich die Runde zum Foto versammelt, fällt Hildegard Forster noch was ein: „Wir haben im letzten Herbst eine Stiftung ins Leben gerufen!“ Unter dem Namen „Kolping – Stiftung für das Leben im Bistum Passau“ wird direkt vor Ort Gutes getan. Wer aus welchen Gründen auch immer bedürftig ist, kann sich melden. Meist geschieht dies über Dritte. Es konnte schon gut geholfen werden: „Einer Familie, einem blinden Mann, alten Menschen,“ zählt Hildegard Forster auf. Selbstverständlich steht die Stiftung auch den Arnstorfern offen. Die Älteste in der Runde sprüht vor Energie und hat vor, dies auch weiterhin zu tun: „Unsere nächste Aufgabe: neue Mitglieder und Nachwuchs finden!“

 

Im Rahmen des Projekts „Ein Vereinsnetzwerk in und um Arnstorf“ des Förderprogramms “Engagiertes Land” der DSEE (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt).