Im Portrait: Der VdK Arnstorf – „Zukunft braucht Menschlichkeit“

Im Portrait: Der VdK Arnstorf – „Zukunft braucht Menschlichkeit“

Von diesem Verein hat wohl jeder schon mal gehört – was genau der VdK aber macht, wissen viele nicht. Irgendwas mit Rente? Richtig, auch in der Rentenberatung ist der Verband tätig, der mit allein 770.000 Mitgliedern in Bayern ziemlich stark ist. Aber nicht nur: Der VdK ist der größte Sozialverband in ganz Deutschland – Menschen mit Behinderung, Kranke und Pflegebedürftige, Rentnerinnen/Rentner und Arbeitslose erhalten so eine hörbare Stimme. Der Verband macht sich stark und mischt sich in die Sozialpolitik ein und bietet an vielen Standorten eine Rechtsberatung in nahezu allen sozialen Belangen an. Und was bedeutet die Abkürzung VdK überhaupt? Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands. Der Name ist selbsterklärend, schaut man auf das Gründungsjahr 1947 zurück. Genau so lange gibt es den VdK-Ortsverband in Arnstorf.

Wie das konkret aussieht, erzählen erster Vorstand Norbert Loritz, stellvertretender Vorsitzender Josef Koll und Schriftführerin Rita Sattelberger. „In Arnstorf selbst haben wir keine Rechtsberatung, die ist ausschließlich durch Fachkräfte der Kreisverwaltung in Pfarrkirchen möglich. Wir sind gern dazu bereit, die Leute dorthin zu begleiten,“ sagt Josef Koll. Norbert Loritz berichtet von der jährlichen HWH-Sammlung, die zum VdK gehört wie die Butter aufs Brot: Von den gesammelten Geldern werden Sachspenden und Gutscheine besorgt, die an arme Menschen am Ort verteilt werden. Wie der Verband herausfindet, wer bedürftig ist? „Oftmals erfahren wir über Dritte, wer Kleinigkeiten und Gesten gut gebrauchen kann,“ sagt der erste Vorstand.

Gesten – darunter fällt vor allem auch Zeit. Da werden kranke Menschen besucht, um einfach nur zuzuhören und da zu sein, da gibt es das alljährliche kostenlose Weihnachtsessen, verbunden mit der Weihnachtsfeier für bedürftige Menschen in der Gemeinde. Bei Beerdigungen von Mitgliedern ist der VdK mit einer eigenen Fahne dabei. Geplant sind derzeit Kaffeekränzchennachmittage, zum Beispiel im Parkwohnstift. Vieles hat freilich die Pandemie erschwert – da konnten die Mitglieder nichts gegen die Einsamkeit vieler Menschen unternehmen. Aktuell sucht der Verband Pflegebegleiterinnen und Pflegebegleiter, ehrenamtlich Engagierte, die mit pflegebedürftigen Menschen Zeit verbringen: Sei es eine Unterhaltung, ein Spiel oder das Vorlesen von Zeitung und Büchern.

Aber auch für behinderte junge Menschen und Kinder sozial benachteiligter Eltern bietet der VdK Aktivitäten, wie diverse Ferienveranstaltungen. „Der VdK Bayern organisiert das Ganze und wir übernehmen die Anmeldung,“ klärt Norbert Loritz auf. Monatlich findet der Stammtisch statt, der gleichzeitig eine Infoveranstaltung ist. Zu unterschiedlichen Themen werden Vorträge organisiert – oder die Gesprächsrunde bleibt offen und es können sämtliche Themen besprochen werden, die gerade wichtig sind. Was auch regelmäßig stattfindet, ist der jährliche Ausflug, der für alle offen ist. Norbert Loritz organisiert diese Fahrten selbst.

Wie in so vielen Vereinen ist auch der Ortsverband in Arnstorf auf Nachwuchssuche. „Der VdK hat ein Rentnerimage, dabei sind die Themen nicht altersbezogen. Allein, wer sich unabhängig von der Konfession sozial engagieren möchte, ist bei uns gut aufgehoben,“ sagt Josef Koll. Derzeit gibt es eine Frauenbeauftragte und eine Jugendbeauftragte. Andere Bereiche, wie zum Beispiel Schulbeauftragte, HWH-Sammlerinnen und Berater für Barrierefreiheit wären zu besetzen. Schulungen führt der VdK selbst durch. Ebenfalls ein Ziel, das sich die Ortsgruppe für 2023 gesetzt hat: Nichtbehinderte und Behinderte zusammenzubringen. „Es soll keine Abgrenzung geben,“ sagt Rita Sattelberger. Darum setzt sich der Verband besonders für Inklusion und Barrierefreiheit ein – ein nicht ganz leichtes Unterfangen. Die drei erinnern sich an das Familienfest vor ein paar Jahren, bei dem sich Interessierte in einen Rollstuhl setzen konnten, um zu erfahren, wie sich das anfühlt und wie mühsam es sein kann, ohne Unterstützung durch den Markt zu fahren.

Was treibt die Anwesenden an? Rita Sattelberger muss nicht lange überlegen: „Mir ist es ein Anliegen, mich für die Schwächeren in der Gesellschaft einzusetzen. Jeder Mensch hat Bedürfnisse, jeder wird aber nicht gleichermaßen gehört und gesehen.“ Norbert Loritz erzählt von seiner beruflichen Laufbahn als Beschäftigter bei einer Krankenkasse – naheliegend war da das ehrenamtliche Engagement beim VdK, wo er sein jahrzehntelanges Wissen einbringen kann. Josef Koll ist nach einem Unfall zum VdK gekommen – der Verband hat ihm gut geholfen. Auch darum ist er gern in der Vorstandschaft engagiert. Mit über 420 Mitgliedern in der Marktgemeinde ist da einiges zu tun.

Über die rege Unterstützung der Vorstandsmitglieder untereinander ist Norbert Loritz froh: „Jetzt sind wir gut aufgestellt und es wäre schön, wenn junge Leute dazukämen, die sich für ein Ehrenamt im Ortsverband interessieren.“ Viel Hoffnung setzt er ins Vereinsnetzwerk in und um Arnstorf. Überschneidungen sieht der erste Vorstand mit dem Fahrdienst der Gemeinde und der Aktion „Aktiv im Alter“ und er ist sich sicher, dass sich da mit noch so manches bewegen ließe: „Es ist wichtig, dass sich die Vereine untereinander kennenlernen.“ Er weiß aus Erfahrung, wie wichtig es ist, Menschen Möglichkeiten aufzuzeigen. Josef Koll pflichtet ihm bei: „Durch viele kleine Aktionen wollen wir im neuen Jahr das Positive aus den Leuten rausholen. Denn dass in jedem und jeder Positives steckt, davon bin ich überzeugt.“ Rita Sattelberger nickt. Sie weiß von den Besuchen bei den bedürftigen Menschen, dass oft Tränen der Freude fließen. Das treibt sie an, zu helfen. Und da ist es, das menschliche Band, das den VdK so wertvoll macht.