Im Portrait: Die Chorgemeinschaft Oschiroh – „Ich will singen“

Im Portrait: Die Chorgemeinschaft Oschiroh – „Ich will singen“

Immer freitags trifft sich die Chorgemeinschaft Oschiroh zur Probe im Pfarrzentrum, alle 14 Tage. Heute zum Gespräch finden wir uns in Annemarie Tischlers Büro ein, wo es sich gemütlich zusammensitzen lässt – und es Schokolade und Kaffee gibt. Von den rund 35 Mitgliedern sind heute sechs Frauen zugegen und erzählen begeistert vom Gemeinschaftserlebnis des Singens.

Gegründet wurde der Chor im Jahr 1993 aus der Landjugend heraus. Chorleiterin Claudia Hargasser freut sich schon auf das Jubiläum 2023, das mit einem großen Konzert gefeiert werden soll. Sie selbst leitet schon seit 1997 den Chor, ist studierte Kirchenmusikerin und nebenberufliche Organistin in der Kirche: „Ich bin da reingewachsen und hab über die Jahre den Spaß daran beibehalten. Wir haben ein starkes und gutes Miteinander, das schätze ich sehr. Ich genieße es, dass meine Ideen gut ankommen.“ Und sie erklärt auch gleich noch den doch recht ungewöhnlich anmutenden Namen des Chors: „Oschiroh kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie ‚Ich will singen‘.“ Damit ist der Name Programm, denn singen wollen sie alle – sei es bei den Proben, bei Festgottesdiensten, Hochzeiten und auch weltlichen Konzerten.

„Es kommen so viele Leute zu unseren Konzerten, das begeistert mich,“ sagt Birgit Froschauer, die zu den jüngsten Sängerinnen zählt. Bis zu 700 Zuhörerinnen und Zuhörer genießen das anspruchsvolle, aber gängige Repertoire des Chors, das sich im Lauf der Zeit gewandelt hat wie Oschiroh selbst. „Wir sind aus dem Kirchlichen heraus entstanden,“ sagt Claudia. „Dem fühlen wir uns auch heute noch sehr nahe.“ 2013 gab der Chor sein erstes alleiniges Konzert, ein Kirchenkonzert zum 20-jährigen Bestehen. 2015 folgte schon das erste weltliche Konzert im Schloss. Neben dem „neuen geistlichen Lied“ werden auch Popsongs zu Hochzeiten angefragt, was der Chor gern umsetzt. Die Vielseitigkeit ist es, was die Sängerinnen und Sänger herausfordert.

 

„Ich gehe immer glücklich raus“

Das bestätigt auch Uschi Rimböck, die seit über 15 Jahren mit dabei ist. Sie freut sich sehr, wenn ein Lied gemeinsam gut gesungen werden kann und spürbar ist, dass es beim Auditorium gut ankommt. Während einigen Phasen der Corona-Zeit durfte sich der Chor nicht treffen – Claudia hat sich aber was einfallen lassen: Es wurde online geprobt. Die eindeutige Herausforderung dabei war, dass alle nur der Chorleiterin zuhören konnten, da die Systeme es nicht möglich machen, dass alle gleichzeitig zu hören sind. Uschi lernte in dieser Zeit zu schätzen, was die Chorleiterin leistet: „Ohne Feedback war es für mich sehr schwierig, alleine zu singen. Anleitung ist mir wichtig.“

Eine großartige Möglichkeit, die schwierige Probenzeit während Corona zu überbrücken, waren die Multiscreenvideos, von denen die Chormitglieder insgesamt zwei gedreht haben: Eines zu Ostern 2021 mit „He is a living God“ und eines im Sommer 2022 zu „Lass die Sonne in dein Herz“. Ersteres wurde auch im Gottedienst am Ostermontag auf Leinwand abgespielt. Bei den Multiscreenvideos haben die Chormitglieder das jeweilige Lied selbst anhand der Online-Proben und einer Übungsaudio aufgenommen und auch noch ein Video von sich gedreht. So konnte man die Mitglieder nicht nur hören, sondern auch sehen. Online ist die Chorgemeinschaft vertreten durch einen Facebook-Auftritt und einigen Videos auf Youtube.

Auch Gerda Büchner ist froh, dass nun wieder alle Proben ohne Bildschirm auskommen und beobachtet an sich: „Manchmal kommt es vor, dass es mich erst nicht so freut, abends noch zur Chorprobe zu gehen. Aber ich gehe immer glücklich raus. Beim Singen kriege ich den Kopf frei, das tut der Seele auch gut.“ Gemeinsam erinnern sich die Frauen an die schwierige Zeit, in der sie sich neben den Online-Chorproben dennoch gut zu helfen wussten: Da gab es einen musikalischen Adventskalender mit 25 Liedern, darunter ein Lied, das aus unterschiedlichen Aufnahmen zusammengeschnitten wurde. Nicht zu vergessen auch die ersten Proben, die mit Zollstock im Freien stattfanden, „mit zwei Metern Abstand hat man sich gegenseitig kaum gehört.“

Annemarie erinnert sich auch gern an die Zeit vor Corona, als man nach den Proben noch gemeinsam ein Lokal aufsuchte. Das hat sich mittlerweile aufgehört – auch, weil unter der Woche noch früher die Gehsteige hochgeklappt werden. Die Sängerin betont die soziale Komponente der Zusammenkünfte – das Ratschen vorher und nachher. Und auch sie erzählt von der entspannenden Wirkung des Singens nach einer arbeitsreichen Woche und von der Freude, anderen mit dem Gesang eine schöne Zeit zu bereiten. Birgit Froschauer nickt: „Es ist schön, was zum Marktgeschehen beizutragen und die Vereinslandschaft mitzugestalten.“ Sie empfindet das Singen als anspruchsvoll und entspannend zugleich. Neben einer der jüngsten Sängerinnen hat die Älteste Platz genommen – Maritta Busler ist seit 17 Jahren dabei. „Ich singe nicht allein, aber gern in der Gemeinschaft. Es ist immer wieder schön – und besonders gern mag ich Hochzeiten.“

Gesungen wird übrigens nie alleine, sondern immer mit instrumentaler Begleitung. Ob Orgel, E-Piano, Geige oder Gitarre, so bleibt es immer schön abwechslungsreich. Apropos – abwechslungsreich gestaltet sich auch die Antwort auf die Frage nach einem Lieblingslied. Auf ein gemeinsames liebstes Stück können sich die Frauen nicht einigen. Uschi mag „All you need is love“, Annemarie liebt Weihnachtslieder, Gerda steht auf ein bestimmtes Lied aus dem Effata, das Maritta überhaupt nicht leiden kann… Claudia lacht: „Für mich sind die Lieder besonders schön, die die Kirchengemeinde auch mitsingen kann.“

Und damit nicht der Eindruck entsteht, Oschiroh bestünde nur aus Sängerinnen – einige Männer sind auch dabei, nur eben heute nicht anwesend. Der Chor singt in dreistimmig gemischter Besetzung: Sopran, Alt und Männer-Stimme. Claudia freut sich über die Vielfalt der Singstimmen und auch darüber, dass sich immer ein gewisser Kern bei den Proben einfindet. Die Chorgemeinschaft ist aber auch offen für Neuzugänge – melden dürfen sich jederzeit alle ab dem jungen Erwachsenenalter, wie sie sagt. Jetzt wäre auch noch gut Zeit, gemeinsam für’s Jubiläumskonzert 2023 zu proben: Das Große Weihnachtskonzert „White Christmas“ findet am 16. Dezember 2023 in der Turnhalle statt. „Da werden wir den ganzen Sommer lang Weihnachtslieder singen,“ prophezeit Claudia und alle lachen.

 

 

Im Rahmen des Projekts „Ein Vereinsnetzwerk in und um Arnstorf“ des Förderprogramms “Engagiertes Land” der DSEE (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt).