Im Portrait: Die Kulturblosn – für eine lebendige Dorfgemeinschaft

Im Portrait: Die Kulturblosn – für eine lebendige Dorfgemeinschaft

Mariakirchen, ein Abend unter der Woche. Im ersten Stock des Kindergartens brennt Licht, im großen Mehrzweckraum sitzen Manuel Heim, Monika Eder und Anja Ostner und resümieren, was die Kulturblosn ausmacht. Das ist so viel, dass sie mit dem Erzählen schier gar nicht hinterdreinkommen. Ganz schnell zeigt sich, welch enorme Bedeutung der 330 Mitglieder starke Verein für das 800-Seelendorf hat: Die Kulturblosn gestaltet das Dorfleben auf so vielen Ebenen, dass jeder etwas davon hat.

Bevor sie ausführlicher werden, schauen die drei Mitglieder auf die Anfänge zurück, die sie selbst gar nicht miterlebt haben. Und Susi Frank, die über alles bestens Bescheid wüsste, kann heute Abend nicht dabei sein. Ihr Name wird heute noch oft fallen, mit einem wertschätzenden Lächeln. Seit 1990 gibt es die Kulturblosn nun schon, seit 31 Jahren. Aus der damaligen Dorfjugend wurden junge Familien, die weiterhin gemeinsam was erleben wollten – das war der Startschuss für den Verein. Der harte Kern von damals existiert noch immer – und es haben sich stetig neue Leute gefunden. „Wir sind ein gemeinnütziger Verein für Kultur, Kunst und Kabarett,“ fasst Manuel Heim zusammen. Anja Ostner ergänzt: „Dazu kommt das Angebot für Familien. Und gesportelt wird auch.“

 

Es rappelt in der Kiste…

Im Hintergrund wartet Turzubehör auf seinen Einsatz – Matten, Bälle, Bänke. In einem Schrank hängen Feuerwehrfahnen, die hoffentlich in naher Zukunft wieder geschwenkt werden können. In einem Nebenraum befindet sich die Küche. Was wird in diesen Räumlichkeiten alles gemacht? Anja Ostner ist in ihrem Element: „Hier trifft sich die Rappelkiste seit 1995 – eine Eltern-Kind-Gruppe, die ich letztes Jahr von Melanie Eichinger übernommen habe und die ein Teil der Kulturblosn ist. Im September 2021 hatten wir unser 600stes Treffen. Aktuell sind rund 18 dabei, meistens treffen sich etwa sechs Mamas mit ihren Kindern. Es sind ganz schön viele Babys in letzter Zeit dazugekommen!“ Neben den wöchentlichen Treffen gibt es ihm Rahmen der Rappelkiste einen Sankt-Martins-Umzug und den Kinderfasching.

Neben der Rappelkiste ist hier Treffpunkt für andere Teilbereiche der Kulturblosn – und der der Feuerwehr. Die Gemeinde stellt den Raum zur Verfügung – und kann von Mitgliedern auch für private Feierlichkeiten gemietet werden. Weil vorhin vom Fasching die Rede war und weil Monika Eder grad eifrig in der Dorfchronik blättert – erstellt von der Kulturblosn -, kommt die berühmte Faschingszeitung zur Rede: Die gibt’s seit Anbeginn der Kulturblosn und wird persönlich im Dorf verteilt. Der Erlös geht an die Gemeinnützigkeit. „Wie heiß begehrt die Zeitung ist, hab ich mitbekommen, als ich sie selbst zum ersten Mal unter die Leute gebracht hab,“ erzählt Manuel Heim, der ein aus Regensburg Zuagroaster ist und dadurch das Dorf näher kennenlernen wollte. Das gelang ihm hiermit mühelos. Ihm gefiel gleich, wie gut die Mariakirchner miteinander können und wie engagiert die Kulturblosn ist.

 

Das Volk der Magyaren beim Mittelalterfest

Wie breit der Verein aufgestellt ist, führen die Mitglieder nun aus. Da wäre einmal die Sparte Volleyball um Stefan Eicher und Simon Schneider, die sich regelmäßig zum Spielen trifft. Als 2015 viele Asylbewerber nach Arnstorf kamen, organisierten die Volleyballer gemeinsame Spiele und spendeten Turnschuhe. In der Sparte Outdoor werden Tages- und Wochenendausflüge organisiert. Sie überschneidet sich durchaus mit der Sparte Familie, in der Wanderungen mit und ohne Fackeln und Zeltlager für gemeinsames Vergnügen sorgen. Dann gibt’s noch das Ferienprogramm, damit es in den großen Ferien nicht fad wird für die Dorfkinder. Tina Heim hat im letzten Sommer mit den Kindern gebastelt und T-Shirts bemalt. Manuel Heim überlegt weiter, Monika Eder und Anja Ostner ebenso, dass sie nur ja nichts vergessen in der Menge an Aktivitäten. Ach ja, das Mittelalterfest „Auf Heller und Barde“! „Armin Frank schaut immer, dass das Volk der Magyaren super organisiert ist. Gut 80, 90 Leute sind dabei, die Kostüme sind alle selbst geschneidert. Dazu gibt es ein eigenes Lager, einen Tanz und Stockkampf,“ erzählt Manuel Heim.

Zur nächsten und wohl intensivsten Sparte haben alle drei Anwesenden was zu sagen: Theater! Sie sind sich einig: „Jetzt müsste Susi Frank da sein!“ Und sie erzählen. Von der Mariakirchner Passion, die mit über hundert Darsteller:innen, aufwändigen Kostümen und Proben eine echte Schau ist – nicht zuletzt, weil sie in der Kirche auftreten dürfen. Von der mystischen Nacht rund ums Schloss, wo an verschiedenen Schauplätzen Teile von Musicals aufgeführt wurden, darunter aus „Der Zauberer von Oz“, „Tanz der Vampire“ und „Phantom der Oper“. Und vom Bestreben, endlich ein eigenes Musical aufzuführen, was bislang aus bekannten Gründen nicht sein konnte.

 

Gute Integration von Einheimischen und Zugezogenen

Anja Ostner erzählt von der Weihnachtskrippe, die alljährlich von der Kulturblosn aufgestellt wird und die sich mit der voranschreitenden Weihnachtszeit verändert, bis am Ende auch die heiligen drei Könige das Jesuskind besuchen. Und Manuel Heim fällt noch das legendäre Maibaumaufstellen ein, das mit Schwaiberl und Manneskraft bewerkstelligt wird. Er schwärmt: „Mit all den Aktivitäten und Veranstaltungen werden alle Dorfbewohner:innen gut integriert – auch die Zugezogenen.“ Monika Eder pflichtet ihm bei. Auch sie ist keine gebürtige Mariakirchnerin und hat vor Jahren durch die Kulturblosn guten Anschluss erfahren. Alle drei betonen die gute Dorfgemeinschaft, die nicht wie anderswo einschläft.

Was der Kulturblosn wichtig ist: lokal zu spenden. So geht ein guter Teil der Erlöse an Familien der Region, die es brauchen können. Umgekehrt wird der Verein gut unterstützt. Vom Schlossbräu zum Beispiel, der ihnen immer eine Bühne zur Verfügung stellt. Der gute Zusammenhalt, das Zusammenkommen von Jung und Alt, das ist es, was die Kulturblosn ausmacht. Freilich ist es auch für diesen Verein schwieriger geworden, grade in Zeiten der Pandemie. Zwei Jahre Pause machen einfach was mit einer Gemeinschaft, auch wenn zwischendurch manche Aktivitäten möglich waren. Die Bereitschaft, sich unentgeltlich einzubringen, sinkt, wie Manuel Heim feststellt.

 

Ausgezeichnet mit dem Kulturpreis 2020

Und dennoch – so eine Kulturblosn kriegt so schnell keiner unter. Allein die Historie macht die drei Mitglieder stolz, als sie nochmal in der Chronik blättern. Das Heinrich-Schütz-Ensemble kommt immer wieder mal nach Mariakirchen. Der Fredl Fesl war auch schon da. Und die Theaterschmiede, die mit namhaften Theaterleuten Seminare anbietet. Noch was? Aber sicher: Mit Schauspielern hat die Kulturblosn die Schlossgeschichte auf Videos festgehalten. Die können Besucher nun ganz einfach per QR-Code auf ihrem Smartphone anschauen.

„Und dann haben wir ja auch noch den Kulturpreis gewonnen,“ fällt Manuel Heim noch ein. 2020 war das, ausgehändigt wurde er dem Verein noch immer nicht, durch Corona gerät eben viel in den Hintergrund. Auch die Kultur, ja. Die Kulturblosn bleibt trotzdem optimistisch: Heuer soll wieder der Maibaum aufgestellt werden. Beim Mittelalterfest wird man dabei sein. Ein Musical soll nun endlich aufgeführt werden. Und Outdoor wird sich gewiss auch einiges machen lassen. „Ideen sind immer da,“ nickt Manuel Heim und Monika Eder und Anja Ostner stimmen ihm zu.

 

Im Rahmen des Projekts „Ein Vereinsnetzwerk in und um Arnstorf“ des Förderprogramms “Engagiertes Land” der DSEE (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt).