Freiwilligenagentur pack ma’s der Hans Lindner Stiftung bringt ihre Lernwerkstatt „Sprache und Schrift” nach Simbach am Inn
Ein Stift in der Hand, ein weißes Blatt vor sich und der feste Wille, endlich die Sprache des neuen Heimatlandes zu verstehen: So beginnt für viele Menschen in der Gemeinschaftsunterkunft Simbach am Inn jeden Mittwochmorgen eine neue Chance. Seit Anfang Mai bietet die Freiwilligenagentur pack ma’s der Hans Lindner Stiftung dort die zweite Lernwerkstatt „Sprache und Schrift” an. Sechs motivierte Teilnehmende treffen sich wöchentlich von 9:00 bis 11:00 Uhr, um gemeinsam die deutsche Sprache zu erlernen, vom ersten Buchstaben bis hin zur einfachen Alltagskommunikation.
Die Lernwerkstatt richtet sich an Menschen, die das lateinische Alphabet noch nicht oder nur unzureichend beherrschen und sehr grundlegende Deutschkenntnisse haben. In einem geschützten und vertrauensvollen Rahmen lernen die Teilnehmenden zunächst, Buchstaben zu lesen und zu schreiben. Darauf aufbauend üben sie einfache Alltagssituationen, etwa das Vorstellen der eigenen Person, das Vereinbaren eines Arzttermins oder die Kommunikation beim Einkaufen und in der Gastronomie. Regelmäßige Übungen in Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben begleiten den gesamten Lernprozess. Ein besonderes Merkmal des Angebots ist der flexible Einstieg: Interessierte können jederzeit beginnen, ohne auf einen festen Kursbeginn warten zu müssen.
Das Herzstück der neuen Lernwerkstatt ist Dozentin Yuliia Hasanova, die seit dem 1. Februar 2026 bei der Freiwilligenagentur pack ma’s tätig ist. Neben ihrer Arbeit in der Lernwerkstatt unterstützt sie gleichzeitig vier Tandem-Paare, vor allem im Bereich der Sprachvermittlung. Frau Hasanova weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, in einem fremden Land ganz von vorne zu beginnen. Als sie vor vier Jahren aus der Ukraine nach Deutschland kam, sprach sie kein Wort Deutsch. Durch intensives Lernen und Durchhaltevermögen erarbeitete sie sich die Sprache Schritt für Schritt. „Es ist schwer, aber machbar”, sagt sie. „Ich bin eine strenge Lehrerin”, lacht sie, „aber wir schaffen es schon.” Diese gelebte Erfahrung macht sie zu einer besonderen Vertrauensperson für die Teilnehmenden: Sie kennt die Hürden aus eigener Anschauung und zeigt gleichzeitig, dass es gelingen kann.
Für Julia Spiel, Projektleiterin bei der Freiwilligenagentur pack ma’s und verantwortlich für den Bereich Tafel und Integration, steht das Engagement auf einer klaren Grundlage. „Sprache ist eine der wichtigsten der drei Säulen der Integration”, sagt sie. Die Erfahrungen aus dem Vorjahr bestärken sie in diesem Ansatz. „Wir haben bereits sehr gute Erfahrungen mit der Lernwerkstatt, die 2025 in Schönau gelaufen ist. Unsere Ehrenamtlichen vermitteln die Sprache mit Herzblut. Sie können in mehreren Sprachen auf Fragen antworten und Inhalte erklären. Das macht einen enormen Unterschied. Wir freuen uns sehr, diese zusätzliche Hilfe beim Lernen anbieten zu können”, so Julia Spiel weiter. Und die Zahlen geben ihr recht: „Wir haben erlebt, wie Menschen, die anfangs ihren eigenen Namen kaum schreiben konnten, nach wenigen Wochen kurze Sätze lesen und sich vorstellen konnten. Das ist für uns alle eine unglaubliche Motivation.”
Die Bilanz der ersten Lernwerkstatt, die 2025 in Pfarrkirchen anlief und später nach Schönau verlegt wurde, spricht für sich. Insgesamt 15 Teilnehmende absolvierten das Angebot. Ausgehend von einem reinen Alphabetisierungskurs erreichten die Lernenden deutliche Fortschritte bis zum Sprachniveau A1. Rückmeldungen und Beobachtungen belegen eine spürbare Verbesserung der Sprach- und Schriftkompetenzen sowie ein gewachsenes Selbstbewusstsein im Alltag. Das Angebot wächst stetig weiter. Nach dem Pilotstandort in Schönau im Jahr 2025 läuft die Lernwerkstatt 2026 neben einem digitalen Format nun auch in Simbach am Inn. Für 2027 ist bereits eine weitere Ausweitung nach Eggenfelden geplant.
Unterstützt wird die Initative vom Förderprogramm „Sprache schafft Chancen“ von lagfa bayern e.V. und gefördert vom Bayerischen Staatsministerium des Innern für Sport und Integration.


